Design an Schulen - Bild # 1

Design an Schulen

Königsfeld. Kunst als Hauptfach in der gymnasialen Oberstufe ist kein brotloser Zeitvertreib, sondern wertvolle Vorbereitung auf die Arbeitswelt, die zunehmend Kreativität und innere Balance verlangt. Das finden die „Künstler“ der Zinzendorf-Schule in Königsfeld – und sie werden für diesen Standpunkt offensiv werben.

Hintergrund ist das Angebot der Schule, in Zukunft ein Kunstprofil bereits ab der Mittelstufe anzubieten. Bei der Viertklässler-Party im Februar, während der sich potenzielle neue Gymnasiasten die Schule und deren Angebot anschauen, soll es eine Kunstausstellung mit allem drum und dran geben. Vernissage, Performance, das volle Programm. Werbung für den neuen Neigungszug und die Ausstellung soll es auch geben, durch Plakate, Flyer und andere Werbeformen. Aber wie funktioniert das mit der Werbung genau?
Um sich professionelle Hilfe ins Haus zu holen, bewarb sich Kunstlehrer Detlef Ditz-Burk bei einer Ausschreibung der Deutschen Design-Stiftung. Dort läuft ein Programm, Werbe-Experten in Schulen zu entsenden. Mit der Agentur .mattomedia aus Villingen-Schwenningen und deren Kreativkopf Serhan Sidan fand sich ein international ausgezeichneter Werbefachmann, der in einem Wochenseminar mit den Schülern eine kleine Kampagne entwickelte.
„Neigungskurs Kunst, das heißt ja nicht, dass wir alle Straßenmusiker als Berufswunsch haben“ erklärt etwa Maximilian Schaible. Befürchtungen in Richtung dolce vita gebe es bei Eltern durchaus, berichtet Nathalie Rabel von Vorbehalten. Doch man müsse es anders sehen: „Kreativität hilft Menschen, weil sie für sich aus kreativer Betätigung viel innere Ruhe ziehen können, was sich auch wieder auf den Berufserfolg auswirkt“ ergänzt Leonie Ziefle, und Sharleena Rosing stellt bündig fest: „Wer kreativ ist, wird später seinen Job besser machen.“
Ein kurze Umfrage bringt Gewissheit: Medizin, Zahnmedizin, Schreiner, Medienschaffende – jene, die schon Berufsideen entwickeln haben, streben keineswegs in künstlerische Berufe. „Leider will auch niemand Grafik-Designer werden“ bedauert Serhan Sidan, unter den kreativen Köpfen Königfelds keine potenziellen Bewerber für einen Agentur-Job zu finden.
Die Kampagne wurde unter das Motto „Artist“ gestellt – natürlich ein Wortspiel, denn „art“ bedeutet auf englisch „Kunst“, und „art ist…“ als gemischter Slogan bedeutet dann „Kunst ist…“ Erstellt wurden kunstvolle Fotos, die zu Plakaten bis Größe A Null zusammengestellt werden. Näheres wird noch nicht verraten, nur eines: „Die Ausstellung soll es jedes Jahr geben. Und jedes Jahr Werbung dazu“ blickt Ditz-Burk in die Zukunft. Design und Werbung standen zwar auch jetzt schon auf dem Lehrplan – „aber mit diesem handfesten Hintergrund ist das Herangehen natürlich viel interessanter.“

    Bewerte diesen Beitrag